— Natürlich geölte Oberfläche – was ist zu beachten?

Viele Kunden wünschen als Alternative zum Lack, eine natürlich geölte Holzoberfläche. Damit es beim Ölen tatsächlich zur Anwendung eines Naturproduktes kommt, hier ein kurzer Ãœberblick über die Kriterien.

Was verstehen Naturfarbenhersteller unter Öl?
Ausgehend von Leinöl, ein früher weit verbreitetes, einheimischen Pflanzenöl, verwenden die Naturfarbenhersteller heute verschiedene Pflanzenöle, deren gemeinsames Merkmal die natürliche Herkunft ist. Sie sind also im wahrsten Sinne des Wortes nachwachsende Rohstoffe. Diese Öle sind in der Regel oxidativ trocknend, d.h. sie benötigen den Sauerstoff der Luft zum Trocknen.
Durch die Kombination verschiedener Öle und weiterer natürlicher Rohstoffe, lassen sich heute Qualitäten entwickeln, die sehr hohen Anforderungen genügen.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob das Öl lösemittelfrei oder lösemittelhaltig ist sondern ob es oxidativ trocknet und ob auf den Etiketten oder den Technischen Unterlagen alle Inhaltstoffe angegeben werden (Volldeklaration).
Neben Produkten von wenigen Naturfarbenherstellern, gibt es eine Vielzahl von Ölprodukten, welche mit unterschiedlichsten Aussagen beworben werden, die bei näherem Hinsehen aber nicht viel mit einem natürlichen Öl zu tun haben.

Einige Beispiele:

nicht selbstentzündlich
das bedeutet, dass das Öl nicht oxidativ trocknet. Die Oberfläche ist
– entweder nicht strapazierfähig, wie z.B. bei Olivenöl
– oder es handelt sich um Paraffinöl, ein Mineralöl
– oder es handelt sich um andere Bestandteile, die mit Öl überhaupt nichts zu tun haben.

auf Basis von natürlichen Rohstoffen
veredelte oder modifizierte Naturöle

Diese Werbeaussage gibt leider keinen Aufschluss darüber, wie groß die Basis ist und in der Regel auch nicht darüber, welche anderen, nicht natürlichen Inhaltsstoffe enthalten sind.

2-K Öle
werden vom Verleger im Objekt an Ort und Stelle verwendet. Auch hier wird dem Kunden suggeriert, dass er eine stark strapazierfähige Naturöl-Oberfläche bekommt. Dabei ist der verwendete Härter ein Isocyanat-Härter, wie bei konventionellen Lacken, gesundheitsschädlich und kennzeichnungspflichtig.

UV-Öle
findet man insbesondere auf Fertigparkett mit industriell gefertigter Oberfläche. Diese Oberfläche ist ein synthetischer Lack, der bis zu 5 % Öl enthält und auf denselben Anlagen verarbeitet wird, wie der sonst übliche Acryllack. Die fertige Oberfläche sieht sehr matt aus und gleicht einer natürlich geölten Oberfläche. Die Eigenschaften sind die einer Lackoberfläche. Sie ist nach dem Verlegen nicht mit Naturöl einzupflegen, eine partielle Ausbesserung im Schadensfall mit Naturöl ist ebenfalls nicht möglich.

PU-vestärkt
ähnlich wie im konventionellen Lack wird in der Zwischenzeit auch bei Ölen zur Erhöhung der Strapazierfähigkeit Polyurethan als Bindemittel eingesetzt, d.h. ein Urethan in Öl ‚gelöst‘.

Bei Wunsch nach einer Naturöl-Oberfläche
– auf Basis nachwachsender, natürlicher und gesundheitsverträglicher Rohstoffe
– einer dem Holz entsprechenden natürlichen, biologisch einwandfreien Oberfläche
– die partiell auszubessern ist
sollte gezielt nach einem oxidativ trocknenden Produkt mit Volldeklaratioin gefragt werden, also einem Produkt, das meist nur die traditionellen Naturfarbenhersteller anbieten.

Fazit
Da der Begriff Naturöl nicht geschützt ist, lohnt es sich genauer nachzufragen bzw. nachzulesen, was für ein Öl verwendet wird, bzw. bei Fertigparkett verwendet wurde.
Damit der Wunsch nach einer natürlichen Oberfläche tatsächlich umgesetzt wird!